Geschichte der Phönix-Halle

 

Relikt der Zeit

Bewegte Geschichte

 

 

Die Phönix-Halle besteht als Veranstaltungsort schon beeindruckende siebzehn Jahren. Verschwindend gering, betrachtet man sich ihre fast 250-jährige Geschichte. Sie lässt sich im Wesentlichen in drei bzw. vier Phasen zusammenfassen:

 
1777 bis 1951: Nutzung als Waggonfabrik

1777 gründet Anton Gastl auf dem Gelände in Mainz-Mombach eine kurfürstliche Hofsattlerei. Anfang des 19 Jhd. beginnt die Produktion von Chaisen und Kutschen, die mit zunehmender Industrialisierung vom Eisenbahnwaggon-Bau abgelöst wird.

1845 übernimmt Otto Gastell die Geschäfte und gründet die „Waggonfabrik Gebrüder Gastell“. Neben Eisenbahn- und Straßenbahnwaggons werden Karosserien für Omnibusse und Personenkraftwagen, später auch LKW-Anhängern und -Aufbauten, hergestellt. Das Unternehmen beschäftigte bis 1912 rund 1.200 Mitarbeiter.

Nach der Zerstörung des Werksgeländes mit insgesamt 22 Produktionshallen im Zweiten Weltkrieg, war die Phönix-Halle mit Gebäudenummer 6345 der erste Hallenneubau. Die ursprüngliche Produktion geht weiter.

 
1951 bis 1994: Nutzung als Panzerwerk

1953 vergrößert sich das Unternehmen durch einen Zusammenschluss mit der Kölner Omnibus- und Sonderfahrzeugfertigung KHD. Militärische und zivile Fahrzeuge, wie Brandschutz- und Amphibienfahrzeuge, Flugzeugschlepper und Radar-Antennenträger erweitern die Produktion.

1975 kommt es zur Ausgründung der IVECO (Industrial Vehicles Corporation), die die Nutzfahrzeugherstellung umfasst. Sie investiert rund 60 Millionen D-Mark in die Modifizierung der Werksanlagen zu einer modernen Omnibusfabrik mit knapp 2.000 Beschäftigten.

1983 gibt die IVECO den Standort auf und verkauft an die Bundesrepublik Deutschland. Sie stellte das Gelände wiederum der Mainz Industries Panzerwerke GmbH zur Verfügung, die im Auftrag der US-Streitkräfte die Instandsetzung und Modernisierung von militärischen Fahrzeugen betreibt und 1987 mit 5.700 Mitarbeitern das größte und modernste Heeresinstandsetzungswerk außerhalb der USA ist.

Anfang der 1990er Jahre scheitert ein groß angelegtes Konversionsprojekt, das eine Umnutzung der Werkshallen im Bereich der Verkehrstechnologie vorsah. 1994 muss das in MIT (Mainz Industrie Gesellschaft für Umwelt, Transport und Verkehr mbH) unbenannte Unternehmen Konkurs anmelden.

 
1994 bis 2015: Nutzung der Phönix-Halle als Veranstaltungshalle

Ende der 1990er wird das ursprüngliche Stammwerk der MIP abgerissen, dort befindet sich heute das Wohngebiet „Gonsenheimer Terrassen“.

1998 wird Halle Nummer 6345 zur provisorischen Bühne des Mainzer Staatstheaters und hebt „wie Phönix aus der Asche“ das kulturelle Leben in Mainz aus der Taufe. Die Phönix-Halle dient seitdem als Veranstaltungsort für unterschiedlichste kulturelle Events wie Konzerte, Theater, Opern, Kabarett, Tanz und Vorlesungen.

2000 kauft die Trierer Wohnbaugesellschaft TRIWO das Gelände. Die Stadt Mainz wird zum Zwischenvermieter. Seit 2008 ist die Berliner BEOS GmbH, eine internationale Investorengruppe, Inhaber des Mombacher Areals und vermietet an Künstler, Handel, Industrie und Logistikunternehmen.

Im Februar 2015 schließen sich die Pforten der etablierten und beliebten Kulturstätte Phönix-Halle und damit das kulturgeschichtliche Kapitel für das Gelände der „Alten Waggonfabrik“ und „Panzerwerke“.

 
Hier und Jetzt: Initiative „Rettet den Phönix“

Die Initiative „Rettet den Phönix“  hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen wichtigen Teil des kulturellen Lebens von Mainz und dem Rhein-Main-Gebiet zu sichern. Mit dem Konzept „Phönix-Halle 2.0“ soll der Erhalt und Ausbau der Phönix-Halle mit einem Investitionsvolumen von über 2.5 Mio. Euro sichergestellt werden.